Enttäuschende Papst-Bilanz
schreibt der bei den SN gelandete Klaus Ehringfeld am 29.03.2012 in den Salzburger Nachrichten.
Auf seiner ersten Pastoralreise nach Lateinamerika hat Papst Benedikt XVI. inhaltlich fast alles falsch gemacht. Die Befürchtungen vor der Reise haben sich bestätigt. Der Papst hat sich an Ritualen festgehalten und die Realitäten nicht sehen wollen. Der Pontifex hat mit Mexiko und Kuba zwei Länder mit komplexen Problemen besucht. In Mexiko zersetzt das organisierte Verbrechen die Gesellschaft, und die Päderasten der „Legionäre Christi“ missbrauchten jahrzehntelang ihre Schutzbefohlenen. Auf der kommunistischen Karibikinsel hat die Demokratie noch Nachholbedarf, und Andersdenkende sitzen im Gefängnis.
Aber Benedikts Agenda war staatstragend und nur an den Eliten orientiert. Ob im rechten Mexiko oder im linken Kuba: Der Papst sprach nur mit Präsidenten, Ex-Präsidenten und Kirchenfürsten. In Mexiko blieben Vertreter von Randgruppen und der Zivilgesellschaft unbeachtet. Dabei hatten gerade diejenigen eine Audienz beantragt, die Präsident Calderóns „Kriegspolitik“ gegen die Drogenmafia mit guten Gründen kritisieren. Auch die Missbrauchsopfer der katholischen Kinderschänder hat der Papst nicht empfangen. Das ist ein Skandal. Schließlich legen neue Dokumente nahe, dass der Vatikan und auch Joseph Ratzinger jahrzehntelang wussten, was in einer der reaktionärsten Kongregationen vorging.
In Kuba hat er es kaum besser gemacht: Es gab nur zahme Kritik am KP-Modell und Gespräche mit Castro I. und II. Aber er hat denjenigen nicht zuhören wollen, mit denen die beiden nicht reden wollen. Die Dissidenten hätten ermunternde Worte gebrauchen können. An diesem Punkt hätte Benedikt XVI. von seinem Vorgänger lernen müssen: Dieser hatte die demokratischen Defizite auf der Insel klar angesprochen, genauso wie er das absurde US-Embargo verurteilt hatte.
Mexiko und Kuba – beide Visiten hätten vom Papst klare Bekenntnisse erfordert. Die Mehrheit der Bevölkerung in beiden Ländern hat es von ihm erwartet. Doch es fielen nur fromme Worte, wo politische Statements notwendig gewesen wären. Am Ende hat er so zwei Regierungen gestärkt, die im eigenen Land unter Rechtfertigungsdruck stehen.
Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Korrespondent Klaus Ehringfeld über einen ganz anderen Papstbesuch schreibt, als den, der statt gefunden hat. Gerade vor ein paar Tagen wurde Papst Benedikt noch gerügt, weil er den Marxismus als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet hat.
Er und einige seiner ehrenwerten Journalistenkollegen attestierten Papst Benedikt für diese Aussage gar diplomatisches Unvermögen (Quelle). Ehringfeld beehrt das Oberhaupt der röm. kathol. Kirche für seine Mexiko-Kubareise zusätzlich noch mit dem Attest des gänzlichen Versagens.
Mein Gott, Herr Ehringfeld, stellen Sie sich vor, Papst Benedikt XVI. ist doch tatsächlich als Pilger in die beiden Länder Mexiko und Kuba gefahren und er hat dies bei der Abschiedszeremonie am Flughafen in Havanna auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Wer Ohren hat zu hören, bzw. Augen, um zu lesen kann aber auch erkennen, daß er im Rahmen dieser Pilgerreise von der kommunistischen Führung des Landes sehr wohl ganz weltliche Dinge erwartet, bzw. fordert.
Meine Pilgerreise geht hier zu Ende, aber ich bete weiter inständig, daß ihr voranschreitet und Kuba das Haus aller und für alle Kubaner sei [!], in dem Gerechtigkeit und Friede[!] in einer Atmosphäre unbeschwerter Brüderlichkeit wohnen. Die Achtung und Förderung der Freiheit[!], die im Herzen jedes Menschen lebt, sind unerläßlich, um angemessen auf die grundlegenden Ansprüche seiner Würde zu antworten und so eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder sich als unentbehrlicher Gestalter der Zukunft seines Lebens, seiner Familie und seiner Heimat fühlt.[!]
Die gegenwärtige Stunde erfordert dringend, daß im menschlichen, im nationalen und internationalen Zusammenleben unbewegliche Positionen und einseitige Sichtweisen aufgegeben werden[!], die dazu tendieren, die Verständigung zu erschweren und die Bemühung zur Zusammenarbeit wirkungslos zu machen. Die eventuellen Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten sind dadurch zu lösen, daß man unermüdlich sucht, was alle verbindet, und zwar in einem geduldigen und aufrichtigen Dialog, in gegenseitigem Verständnis und mit einem aufrichtigen Willen des Zuhörens, der Ziele annimmt, die neue Hoffnungen mit sich bringen.
Kuba, entfache in dir den Glauben deiner Väter, schöpfe aus ihm die Kraft, um eine bessere Zukunft aufzubauen, vertraue auf die Verheißungen des Herrn, öffne dein Herz seinem Evangelium für eine echte Erneuerung des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens.
Wenn ich nun bewegt von euch Abschied nehme, bitte ich Unsere Liebe Frau von El Cobre, daß sie alle Kubaner unter ihrem Mantel beschütze, ihnen inmitten von Prüfungen helfe und ihnen vom Allmächtigen die Gnade erlange, nach der sie am meisten verlangen. (Quelle)
Herr Ehringfeld, in Ihrer alles umblickenden und weitsichtigen Gnade, mögen Sie doch die unendliche Güte haben, dem Stellvertreter Gottes auf Erden nachzusehen, daß bei einer Pilgerreise gerade das Gebet im Vordergrund steht.
Der von Papst Benedikt angesprochene, aufrichtige Wille des Zuhörens blieb Ihnen, Herr Ehringfeld ja offensichtlich leider versagt.
Enttäuschende Papst-Bilanz
1 Kommentar:
*pruuust* "Herr Ehringfeld, in Ihrer alles umblickenden und weitsichtigen Gnade, mögen Sie doch die unendliche Güte haben, dem Stellvertreter Gottes auf Erden nachzusehen, daß bei einer Pilgerreise gerade das Gebet im Vordergrund steht."
Ein echter Bellfrell! Bingo!
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