Sonntag, 6. März 2016

RIP Nikolaus Harnoncourt



So ein kleiner Wehmutsanflug, gepaart mit Sorge war es schon, als Harnoncourt letzten Dezember seinen Rückzug aus dem aktiven Musikleben bekannt gegeben hat.
Heute ist eingetreten, was ich damals schon befürchtet habe.
Nikolaus Harnoncourt der große Musicus ist gestorben.
Ich sage Musicus und nicht Dirigent, weil er ja viel mehr als nur Dirigent war.
Er wußte, wie kein anderer sein vielschichtiges Wissen, geeint mit Intelligenz und Empathie, in die Musik einzubringen und dabei aber gleichzeitig den ganzen unnötigen, gefühlsduseligen Ballast, der sich im Lauf der Zeit über die Interpretation gerade der Musik Mozarts und Bachs gelegt hatte, zu entsorgen.
Harnoncourt gelang es immer, seine Interpretationen zu begründen.
Wenn man ihm zuhörte – und ich war kurz nach meinem Studium am Mozarteum einmal in der Lage, eine von ihm geleitete Probe der Johannespassion von Bach zu erleben – dann gab es plötzlich keine andere Möglichkeit und Begründung mehr, als ein Stück,eine Phrase so zu interpretieren, wie er es anregte bzw. einforderte.
Harnoncourt war richtungsweisend sowohl für Musiker als auch Zuhörer und in der ihm eigenen Art erklärt er das in dem Video u.a. auch so:
»Wir müssen die Hausfrauen mit der Interpretation der alten Musik soweit bringen, daß sie beim Hören des Vormittagskonzertes die Suppen anbrennen…«
Ich wünsche dem großen Musiker Harnoncourt, daß er nun in den himmlischen Chören und Seite an Seite mit Mozart Bach und all den anderen Meistern musizieren darf.


Video bei You Tube

Am Ende dieses Videos wird Nikolaus Harnoncourt gefragt, welches Stück er, wenn er es bestimmen müßte, als letztes Musikstück hören wollte und läßt uns nach einer intensiven Nachdenkpause wissen:

»Vielleicht den Choral, der am Ende der Kunst der Fuge steht: Vor Deinen Thron tret ich hiermit«

Die letzte Musik, die Bach komponiert hat….


Video auf You Tube


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